Samstag, 31. Oktober 2026

Abreisetag: Abschied von Matera, Regendrama vor Bari & das süßeste „Home Sweet Home“

Der letzte Morgen bricht an. Noch einmal frühstücken, zum allerletzten Mal Koffer packen und Abschied nehmen von der Felsenstadt. 

 
 
Bevor wir Matera endgültig den Rücken kehrten, schlenderten wir noch ein letztes Mal durch die Sassi, um die einzigartige Kulisse tief einzusaugen und die Höhle San Giorgio zu besuchen. Hier war eine Kirche die San Giorgio, eine große Zisterne, eine Wohnung und eine Olivenölmühle und später Weinkeller.
 
 
 
 
 
 
 
Auf dem Weg Richtung Norden machten wir noch einen Stopp bei der spektakulären Ponte Acquedotto sul torrente Gravi. Die gewaltige Aquädukt-Brücke, die sich kühn über die tiefe Schlucht spannt, ist als Fotomotiv oder als James Bond Kulisse einfach eine Wucht – selbst bei verhangenem Himmel! 

 
 
 
 
Doch die Apulien-Küche hatte wettertechnisch noch ein kräftiges Final-Schmankerl auf Lager: Der Himmel öffnete alle Schleusen, und es schüttete auf der Fahrt nach Bari wie aus Eimern.
Kurz vor dem Ziel dann der Klassiker: Eine Unterführung komplett ersoffen, Sperre, nix geht mehr! Die Uhr tickte unerbittlich, und der Flug rückte in greifbare Nähe. Aber Vorsicht geht bekanntlich vor – also Umweg fahren, kühlen Kopf bewahren und Meter für Meter dem Flughafen entgegenkämpfen. Und siehe da: Alles ging gut aus!
Was danach folgte – der ganze Trubel rund um Flughafen, Sicherheitskontrollen, Boarding und das Fliegen an sich –, war gelinde gesagt gelinde unwürdig. Ein ständiges Hetzen, Warten und Verwalten.
Umso schöner war der Moment, als sich die eigene Wohnungstür wieder öffnete. Wenn man nach all den Schritten, Felsen, Kathedralen, Trullo, Höhlen und Unterkünfte mit wenig natürlichem Licht… die eigenen vier Wände betritt und nur noch sagen kann: Ich habe dich so vermisst!
Eine fantastische Reise geht damit zu Ende. Es war ein wunderbarer Ausflug durch Apulien und die Basilikata!

Freitag, 30. Oktober 2026

Matera im Regen: Kunstlicht, Qualtinger & die Zisterne weit unter der Erde

Heute war Matera eher Kategorie „Waschküche“: Strömender Regen, nasse, rutschige Pflastersteine und ein wunderbar planloses Umherirren durch die klammen Gassen. Aber wie heißt es so schön? Fürs Wetter bin ich schlichtweg nicht zuständig!
Robert und ich hatten im Nachhinein wahnsinniges Glück mit unserem Timing: Gestern die Führung unter Wolken aber ohne Regen gemacht zu haben, war gold richtig. Und vor allem: Ein paar Tage hier zu bleiben und nicht nur einen raschen Tagesausflug zu machen, rettet uns jetzt die Laune.

Dem Regen trotzen lässt sich glücklicherweise auch unter der Erde: Wir haben die große Zisterne (Palombaro Lungo) unter der Piazza Vittorio Veneto besucht.
Was für ein gigantisches Bauwerk! Wenn man dort unten auf den Stegen steht, schaut das Ganze nicht wie ein schlichtes Wasserspeicher-Becken aus, sondern wirkt wie eine gewaltige, ehrfurchtgebietende Höhlenkathedrale. Ein absolut magischer Ort, der einen das Schmuddelwetter draußen sofort vergessen lässt.
 
 
 
 
 
Später habe ich die Zeit noch genutzt, um ein paar kleine Geschäfte abzuklappern – was allerdings im knisternden Regenponcho nur bedingt Freude macht.
Nun sitzen wir entspannt im Apartment bei Kunstlicht und ohne Aussicht. Es ist eben, wie es ist. Oder wie schon der Herr Karl beim Qualtinger so treffend philosophierte: „Wann mi des Reisebüro net vermittelt hätt...“
 
Morgen sieht die Welt (und Matera) hoffentlich wieder etwas trockener aus. Die Fahrt zum Flughafen wünsche ich mir trocken.

Donnerstag, 29. Oktober 2026

Matera: Sassi-Rätsel, Schluchten, Felsenhöhlen und die Schande Italiens

Heute ging es um die große Orientierung: Am späten Vormittag starteten wir unseren Umrundungsspaziergang, um die wahren Ausmaße von Matera zu erfassen. Und siehe da: Die Stadt ist riesig! Imposant schmiegt sie sich an eine gewaltige Schlucht, an deren Grund sich ein dünnes Bächlein durch die Felsen schlängelt. Filmkulisse? Ja, natürlich. Hier wurde ein Bond „Keine Zeit zu sterben“ und von Mel Gipson „Die Passion Christi“. Kann ich sehr gut verstehen und nachvollziehen.
 
 
 
 
 
Was bitte ist eigentlich ein „Sasso“?
Wer durch Matera spaziert, stolpert alle zwei Meter über das Wort Sassi. Aber wer oder was ist das eigentlich? Des Rätsels Lösung ist denkbar einfach: Sasso heißt auf Italienisch schlicht „Stein“ oder „Felsen“. Wenn man in Matera von den Sassi spricht, meint man die zwei historischen Altstadtviertel (Sasso Barisano und Sasso Caveoso), die komplett aus dem weichen Tuffstein gehauen wurden. Über Jahrtausende haben sich die Menschen hier ihre Behausungen, Ställe und Kirchen direkt in den Felsen gegraben. Ein schachtelartiges Gewirr aus Höhlenwohnungen, bei dem das Dach des Nachbarn oft der Gehweg für den nächsten ist!
 
 
 
 
 
Auf unserer Runde haben wir uns auch einige Kirchen, für mich waren die ChiesaSan Giovanni Battista 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
und angesehen – und der Unterschied zu Puglia fällt sofort ins Auge: Baba, barocker Zierrat und Lecceser Schnörkel-Exzesse!
Wir sind schließlich in der Basilikata. Hier dominiert eine klare, kraftvolle und extrem beeindruckende Romanik. Die Fassaden wirken stolz, erhaben und schlicht. Sie vermittlen mir eine mächtige Ruhe, die einen augenblicklich in ihren Bann zieht. 
 
Zum Mittagessen gab es natürlich nur eine vernünftige Entscheidung: Wieder eine Crapiata Materana! Diesmal in einem anderen Lokal und in einer etwas abgewandelten Zubereitung – aber was soll man sagen? Mindestens genauso gut, sämig und köstlich wie am Tag zuvor.
 
 

Von Höhlen, Herzschmerz & gelebter Geschichte: Der Blick hinter die Sassi-Kulisse
Um 15:00 Uhr stand ein Experiment auf dem Programm: eine Gruppenführung! Gruppenführungen sind für mich ja eher selten und fühlen sich meist recht seltsam an, aber in Matera wollte ich es genauer wissen.
 
Die zwei Sassi & die „Schande Italiens“
Unser Guide erklärte uns die Entstehung der beiden Fels-Stadtteile: Sasso Caveoso und Sasso Barisano. Was von außen wie eine einheitliche Kulisse wirkt, hatte eine klare Aufgabenstellung: Im südlich gelegenen Sasso Caveoso wohnten überwiegend die Bauern, deren tief in den Fels geschlagene Höhlen gleichzeitig als Stall fürs Vieh dienten. Im Sasso Barisano hingegen schlug das Herz der Handwerker und Händler, die den Höhlen oft gemauerte Fassaden vorbauten.
Matera zählt mit knapp 10.000 Jahren Besiedlung zu den drei ältesten dauerhaft bewohnten Städten der Welt – gleich hinter Aleppo und Jericho!

Doch in den 1950er Jahren wendete sich das Blatt: Carlo Levi beschrieb in seinem Buch „Christus kam nur bis Eboli“ das elende Leben in den Höhlen. Die Politik horchte auf, und Matera wurde plötzlich zur „Schande Italiens“.

Die Realität war hart: Eine ganze Stadt lebte ohne fließendes Wasser, ohne Kanalisation, die feuchten Wände brachten schwere Krankheiten – und Mensch und Nutzvieh teilten sich denselben Raum. Was die Menschen jedoch zusammenhielt, war ein unvergleichlicher Zusammenhalt. Nachbarn halfen einander, das Miteinander war lebendig.
 
 
 
 
 
1952 griff der Staat durch: Per Gesetz wurden die Höhlen geräumt und verstaatlicht. Fast 20.000 Einwohner mussten ihre Heimat verlassen. Sie bekamen kleine Sozialwohnungen draußen auf der grünen Wiese zugeteilt – und eine kleine Abfindung für den Zwangsverkauf.
Doch mit dem Umzug ging die eng verwobene Gemeinschaft schlagartig verloren. Niemand war glücklich darüber, das eigene Schicksal nicht selbst bestimmen zu können. Viele kehrten heimlich zurück, woraufhin der Staat die Eingänge zumauerte. Es entstand eine düstere Geisterstadt. Geschichtlich gesehen ist diese Zwangsumsiedlung erst „gestern“ passiert.
Heute kann man die Höhlenobjekte zwar vom Staat anpachten, aber die Auflagen für die Renovierung sind extrem streng – Denkmalschutz pur.
 
 
 
Als wir eine originale Höhlenwohnung von innen besichtigten, war jegliche romantische Vorstellung im Nu verflogen. Die kleine Reisegruppe war danach sichtlich gedrückt und nachdenklich.
 
Zum Abschluss ging es zur großen Felsenkirche Santa Luciaalle Malve. Und die hat uns wieder tief beeindruckt! (Oltre l'Arte - Info)
Die Wandmalereien im Inneren sind phänomenal erhalten und zeigen eine faszinierende Mischung aus byzantinisch-orthodoxen und lateinisch-katholischen Einflüssen – ein farbenprächtiges Zeugnis der verschiedenen Kulturen, die hier über die Jahrhunderte Spuren hinterlassen haben.
 
 
 
  
 
 
 
 
 
 
 
Ein Tag, der nachwirkt und Matera in einem völlig neuen Licht erscheinen lässt!

Abreisetag: Abschied von Matera, Regendrama vor Bari & das süßeste „Home Sweet Home“

Der letzte Morgen bricht an. Noch einmal frühstücken, zum allerletzten Mal Koffer packen und Abschied nehmen von der Felsenstadt.       Be...