Wer durch Apulien reist, stößt früher oder später auf ein
Bildnis, das man aus unseren Breitengraden so gar nicht kennt: die Addolorata,
die Schmerzensmutter in Rabenschwarz.
In Österreich oder Norditalien sucht man diese düstere
Dramatik meist vergebens. Während im alpenländischen Raum eher vergoldeter
Barock und sanfte Farben das Kirchenbild prägen, hat der Süden eine völlig
andere Sprache für den Glauben. Hier regiert die Pietà popolare – die
tiefe Volksfrömmigkeit, die Trauer nicht versteckt, sondern mit voller Hingabe
auf die Straße trägt.
Dass mir die Addolorata in ihren eleganten, dunklen
Gewändern sowohl in den verwinkelten Gassen von Bari als auch im idyllischen
Locorotondo begegnet ist, zeigt: Das liegt schlichtweg in der DNA von Puglia!

Das Oster-Theater der Schmerzensmutter
Besonders in der Settimana Santa (Karwoche) wird sie
zum Mittelpunkt des Geschehens:
- La Vestizione: In einem intimen Ritual kleiden Gläubige die Statue in schweres, schwarzes Tuch samt Schleier.
- Die Prozession: Begleitet von extrem langsamen Trauermärschen ziehen die Menschen durch die Altstadt-Gassen. Ein Spektakel, gegen das ein klassischer Ostergottesdienst daheim fast wie ein nüchternes Vereinstreffen wirkt.
In Apulien wird Glaube eben nicht im Stillen analysiert,
sondern mit spürbarer Dramatik und südländischer Leidenschaft gelebt. Schmerz
und Hoffnung liegen hier ganz nah beieinander – und schick gekleidet ist die
Schmerzensmutter dabei obendrein!
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