Heute ging es auf Erkundungstour mit unserer Stadtführerin
Antonella Destro. Und siehe da: Ich habe gelernt, es gibt Barock – und es gibt Lecce-Barock!
Kleines Barock-Einmaleins: Habsburg vs. Kalkstein
Wer aus Österreich kommt, denkt bei „Barock“ an imperialen
Prunk, üppiges Blattgold und Habsburg-Machtdemonstration. In Lecce regiert
stattdessen das Spektakel aus Kalkstein:
Der lokale Pietra Leccese wird nicht vom Berg geholt (Berge gibt’s hier nämlich keine), sondern aus dem Boden gegraben – weshalb die Landschaft voller riesiger Löcher ist.
Der Stein ist so weich wie Holz und wird mit demselben Werkzeug bearbeitet!
Das Ergebnis: Ein exzessiver Fassadenbarock aus Blüten, Blättern, Fratzen und Putten. Ganz ohne Wiener Blattgold-Schwere, aber mit unendlich viel Seele und Detailverliebtsein.
Manche der barocken Familienhäuser (Palazzi) stehen
allerdings leer – die Renovierungskosten sind astronomisch. Wo sich nicht ganze
Familien zu Wohngemeinschaften zusammentun, ziehen immer öfter Luxushotels ein.
Leichtgewichte für die Prozession:
Ein Highlight bei Antonella: die Tradition des Pappmaschees
(Cartapesta). Was klingt wie Bastelei im Kindergarten, war hier die
Rettung für den Glauben: Heiligenfiguren aus Papier und Leim sind extrem leicht
und lassen sich bei den langen Prozessionen entspannt durch die Stadt tragen.
Heute fertigen die Meister daraus nicht mehr nur Heilige, sondern auch moderne
Kunstwerke und Schmuck.
Zum Abschluss gab es noch Dosis Kirchen-Kunst in der Chiesa
di Santa Chiara (die Dame kenne ich ja schon aus Assisi) und der Chiesa
di San Matteo.
(Chiesa di Santa Chiara; unüblich viel vergoldet)
(Chiesa di San Matteo)
Fazit: Lecce zeigt, dass Barock nicht immer schwer sein muss
– manchmal reicht ein bisschen weicher Stein und viel Altpapier!
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