Staatsoper auf Apulisch: Das Teatro Petruzzelli
Wenn der Wiener „Oper“ hört, denkt er an die Ringstraße. Der
Italiener nickt respektvoll und führt einen nach Bari: Das Teatro Petruzzelli ist immerhin das vierthöchste Kaliber im Lande – gleich hinter
der Mailänder Scala und dem San Carlo in Neapel!

Eröffnet wurde das Prachtstück 1903 von den schicken
Kaufmannsbrüdern Petruzzelli (Suiten, Seide, Schampus!). Aber was wäre ein
italienisches Opernhaus ohne ein ordentliches Drama hinter den Kulissen?
Die Story liest sich wie ein Krimi: 1991 brennt die Hütte
lichterloh nieder – miese Brandstiftung! Das Dach kracht ein, die Region steht
unter Schock. Und was macht man in Italien, wenn eine Ruine wieder aufgebaut
werden soll? Richtig, man streitet sich erst einmal gepflegte zwei Jahrzehnte
lang vor Gericht!
Weil die Eigentümerfamilie Messeni Nemagna und der Staat
sich bürokratisch so richtig verkracht haben, hat die öffentliche Hand die
Familie kurzerhand enteignet, den Laden auf Staatskosten saniert und 2009
prachtvoll neu eröffnet.
Nach gefühlt einer Million Paragrafen-Schlachten hat die
Familie ihr Eigentum gerichtlich schlussendlich wieder zurückerstritten.
Sprich: Der Staat hat’s gezahlt, das Theater erstrahlt im schönsten Rot-Gold –
und die eigentlichen Besitzer lachen sich heute ins Fäustchen.
Da die Familie den gewaltigen Theaterbetrieb alleine aber
logischerweise nicht bewerkstelligen kann, musste schließlich eine Stiftung (Fondazione)
her. Ein Schelm, wer da an typisch österreichische Postenschacherei oder Wiener
Theater-Klüngel denkt. Servus Bari, das habt’s wirklich fein hinbekommen!
Die Krone Apuliens & ein Oktopus auf der Durchreise
Schon von Weitem schlägt das Herz höher: Castel del Monte
ragt wie eine steinerne Krone mitten aus der Landschaft hervor. Ein absoluter
Hingucker!
Erbaut wurde dieses Meisterwerk von keinem Geringeren als Friedrich
II., dem berühmten Stauferkaiser, einem glühenden Apulien-Fan und Gönner der
Region. Das Faszinationis-Dilemma vor Ort: Das Gebäude wirkt so klar,
durchdacht und zeitlos modern, dass es glatt aus dem 21. Jahrhundert stammen
könnte – tatsächlich wurde es aber bereits ab 1240 errichtet! Fast 800 Jahre
alt und sieht immer noch fitter aus als manche Neubauten daheim.
Das Mysterium der Zahl 8
Friedrich II. war offenbar absolut besessen von der Zahl 8:
- Der Grundriss? Ein perfektes Achteck (Oktagon).
- Die Türme? Genau 8 achteckige Türme.
- Die Räume? 8 Säle im Erdgeschoss, 8 Säle im ersten Stock.
- Der Innenhof? Richtig geraten: Auch 8-eckig!
Ob dahinter nun eine tiefere kosmische Astronomie,
Freimaurer-Mythen oder schlichtweg ein mittelalterlicher Symmetrie-Spleen
steckt – beeindruckend ist es allemal.
Krönender Abschluss in Giovinazzo
Auf der Rückfahrt legten wir noch einen Zwischenstopp im
malerischen Küstenort Giovinazzo ein. Und da schlug die Stunde einer echten
Premiere: Der erste Oktopusburger unseres Lebens!
Klingt im ersten Moment mutig, entpuppte sich aber als
absolute Gaumenfreude. Knuspriges Brötchen, zarter, perfekt gegrillter Oktopus
– richtig gut!
Fazit des Tages: Architektonisch eine glatte 8 von 8,
kulinarisch ein voller Erfolg!
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