Mittwoch, 28. Oktober 2026

nach Matera: Hairstyling, das Weinen um Mannerschnitten & das Felsen-Wunder von Matera

Der Tag begann mit einem spontanen Abenteuer beim Friseur in Lecce. Termin pünktlich um neun. Meine Stylistin sah allerdings aus, als wäre sie sekundenstimmig direkt aus dem Bett zum Salon gelaufen – ein starker Espresso und ein eigener Kamm hätten ihr sichtlich gutgetan! Aber wie heißt es so schön: Beurteile niemanden nach der eigenen Frisur. Der Schnitt war am Ende richtig gut, der Service auf zack. Da sieht man gern über den charmanten Bettkanten-Look hinweg!
 
 
 
Danach wurden zum vorletzten Mal die Koffer gepackt und im Auto verstaut. Die Fahrt nach Basilikata führte uns vorbei an knorrigen Olivenbäumen, Weinreben und abgeernteten Feldern, auf denen im Sommer Hartweizen und reife Industrieparadeiser standen.
In Matera angekommen, empfing uns unser Vermieter Andrea mit offenen Armen. Er ist in Deutschland geboren und später in die Heimat seiner Eltern zurückgekehrt. Zur Begrüßung überreichte ich ihm meine allerletzte Packung Mannerschnitten.
Was dann passierte, war reines Film-Drama: Andrea war so gerührt von der süßen Darbietung aus Österreich, dass er mich umarmte und feuchte Augen bekam. Und aus dem Augenwinkel sah ich Robert leise mitweinen – allerdings nicht aus Rührung, sondern weil die allerletzten Mannerschnitten nun endgültig weg waren! Eine kurze Runde kollektives Kuscheln und Weinen später waren wir aber alle wieder versöhnt.
Unsere Wohnung hat zwar wieder keine Aussicht, ist dafür aber herrlich warm und gemütlich. Und die Stadt selbst? Matera ist schlichtweg eine Wucht!


 
 
Lebendig, wunderschönes Pflaster (poliert ohne Unebenheiten), tolle kleine Geschäfte und ein fantastisches Stadtbild. Weil es hier in den Hügeln spürbar kühler ist als an der Küste, durfte meine treue norwegische, neongelbe Daunenjacke wieder im Großeinsatz glänzen.
 
 
 
... auch Abends ein Besuch wert... die Kathedrale von Matera (Cattedrale della Madonna della Bruna e di Sant’Eustachio)
 
  
 
 
 
 
 
  
 
 
  
 
 
 
Zum krönenden Abschluss gab es nach dem Spaziergang und Besichtigung zur Kathedrale eine dampfende, wunderbare Crapiata Materana. Das ist kein gewöhnliches Süppchen, sondern ein traditioneller, bärenstarker Bauerneintopf aus Matera, der früher immer zum Ende der Erntezeit in riesigen Töpfen für die ganze Gemeinschaft gekocht wurde. Eine herrlich sämige Mischung aus Bohnen, Kichererbsen, Linsen, Ackerbohnen, Rollgerstl und Hartweizen – verfeinert mit köstlichem Olivenöl. Deftig, durchwärmend, voller Geschichte und einfach nur phänomenal gut!
 
 

Dienstag, 27. Oktober 2026

nachGallipoli: Windstärke Nord, düsterer Barock und Carpaccio-Himmel

Heute haben wir die Seite gewechselt: Von Lecce aus ging es in einer guten halben Stunde an die Westküste des italienischen Stiefelabsatzes – nach Gallipoli.
 
Die historische Altstadt liegt auf einer eigenen Insel und ist nur über eine schmale Brücke mit dem Festland verbunden. Und meine Güte, hat hier der Wind gepfiffen!
In diesem Moment war ich meiner norwegischen Daunenjacke nicht nur dankbar, sondern tief im Herzen verbunden. Während der Küstenwind unbarmherzig blies, schlenderten wir hinüber in die Altstadt.

Das absolute Highlight der Insel ist die Cattedrale diSant’Agata. Und siehe da: Der Eingang war uns nicht verschlossen! Robert und ich steuerten ohne Schlenker auf unser Ziel zu – selbst ich habe mich ausnahmsweise nicht in den verlockenden kleinen Geschäftchen verloren.
 
 
 
Das absolute Highlight der Insel ist die Cattedrale diSant’Agata. Ihr Innenraum empfängt einen mit einer ganz besonderen, fast mystischen Stimmung. Die großflächigen Wandgemälde, die das Leben der heiligen Agatha erzählen, sind faszinierend, aber auch düster und tief bewegend. Agatha ist übrigens nicht nur die Schutzpatronin von Gallipoli, sondern auch die der Feuerwehrleute und der Brustkranken – eine Heilige mit ordentlich Verantwortung auf den Schultern!
 
 
 
 
 

Was hier im Altarraum sofort ins Auge sticht, ist die aufwendige Pietra dura – eine extrem kostspielige Steineinlegearbeit (Commesso fiorentino) aus farbigem Marmor und Halbedelsteinen. Diese edle Kunstform sieht man in dieser Gegend wahrlich nicht oft! Während man sonst überall in Apulien mangels Steinbrüchen den weichen Kalkstein schnitzte, hat hier im 18. Jahrhundert Bischof Oronzo Filomarini tief in die eigene Privatschatulle gegriffen. Der gute Mann stammte aus reichem Adel und ließ den feinsten Luxus importieren – sogar winzige Blumen und Schmetterlinge sind im Stein verewigt. Da hat sich der edle Spender wahrlich nicht lumpen lassen! 

     

Nach so viel bewegender Kunst verlangte das Gemüt nach Sonnenstrahlen. Wir entdeckten ein wunderbar sonniges, extrem windgeschütztes Plätzchen direkt am Wasser.
Und dann wurde aufgetischt: Ein perfekt gekühlter Weißwein, frisches Brot und eine Carpaccio-Platte vom Fisch, die ihresgleichen sucht – hauchfein geschnittener Lachs, Tintenfisch, Schwertfisch und Thunfisch.

 
 
 
 
Mit dem Blick aufs Meer und der Sonne im Gesicht war das schlichtweg herrlich. Ein rundum perfekter Tag an der Westküste!
 
 
 
 

Montag, 26. Oktober 2026

Nach Otranto: pfeifender Wind, geschlossenen Türen und dem Rätsel auf dem Boden

Am Weg zum Parkplatz, am Theater vorbei, stand die Türe offen und eine Reisegruppe besichtigte das Theater. Robert und ich gingen mit und schossen auch ein paar Fotos.
 
 
 
 
 
 
Heute ging es an die Ostküste nach Otranto – die östlichste Stadt Italiens!
Erster Stopp war das gewaltige Castello Aragonese. Ich habe schon für weniger Eintritt viel mehr bekommen. Egal es ist Urlaub.
 
 
 
 
 
            
 
  
Otranto selbst präsentiert sich als wunderbar lebendige Küstenstadt. Es pfeift der Wind, und im Hafen schaukeln die privaten Segel- und Motorboote wild im türkisblauen Wasser, während weit draußen am Horizont die mächtigen Güterschiffe vorbeiziehen.
 
  
Dann ging es zielstrebig Richtung Kathedrale (Cattedrale diSanta Maria Annunziata). Laut Internet sollte sie um 13:00 Uhr schließen – wir kamen überpünktlich um 12:29 Uhr an, nur um vor verschlossener Tür zu stehen. Die apulische Mittagspause beginnt im Herbst eben spontan um 12:30 Uhr!
 
 
Da der Eintritt ohnehin kostenlos ist, gab es keinen Grund zur Eile. Die dreistündige Pause überbrückten wir in einer gemütlichen Osteria bei exzellenter Verpflegung: köstliche Pasta mit zarten, kleinen Tintenfisch-Stücken und einem Insalata mista. So lässt sich die italienische Pausa mehr als gut aushalten! 
 
 
 
Um 15:00 Uhr ging das Warten zu Ende. Allerdings verlangte der Parkschein nach Verlängerung – Robert opferte sich tapfer, marschierte zurück zum Auto (fürs Nickerchen) und überließ mir die Erkundung der Kathedrale.
 
Und das Warten hat sich mehr als gelohnt: Der gesamte Kirchenboden ist von einem gigantischen Bodenmosaik aus dem 12. Jahrhundert bedeckt!
  • Der Baum des Lebens: Das Mosaik erstreckt sich wie ein riesiger Teppich durch das Hauptschiff. Es zeigt einen gewaltigen Lebensbaum, in dessen Ästen sich die seltsamsten Geschichten verweben.
  • Mythen-Mix vom Feinsten: Neben biblischen Szenen wie Noahs Arche und Adam und Eva findet man dort Fabelwesen, Einhörner, die Monatszyklen und – man glaubt es kaum – sogar König Artus und Alexander den Großen!
 
 
       
 
 
 
in der Krypta:
 
 
 
 
 
Es ist wie ein mittelalterliches Comic-Buch aus Millionen kleiner Steinchen, in dem man sich stundenlang verlieren könnte.
 
        
 
 
 
 
 
 
Fazit: Otranto bietet die perfekte Mischung aus Meerbrise, Pasta-Genuss und verblüffender Geschichte. Ein absolut gelungener Ausflug!

Sonntag, 25. Oktober 2026

Die Schwarze Madonna: Rabenschwarze Dramatik in Apuliens DNA

Wer durch Apulien reist, stößt früher oder später auf ein Bildnis, das man aus unseren Breitengraden so gar nicht kennt: die Addolorata, die Schmerzensmutter in Rabenschwarz.
In Österreich oder Norditalien sucht man diese düstere Dramatik meist vergebens. Während im alpenländischen Raum eher vergoldeter Barock und sanfte Farben das Kirchenbild prägen, hat der Süden eine völlig andere Sprache für den Glauben. Hier regiert die Pietà popolare – die tiefe Volksfrömmigkeit, die Trauer nicht versteckt, sondern mit voller Hingabe auf die Straße trägt.
Dass mir die Addolorata in ihren eleganten, dunklen Gewändern sowohl in den verwinkelten Gassen von Bari als auch im idyllischen Locorotondo begegnet ist, zeigt: Das liegt schlichtweg in der DNA von Puglia!

Das Oster-Theater der Schmerzensmutter
Besonders in der Settimana Santa (Karwoche) wird sie zum Mittelpunkt des Geschehens:
  • La Vestizione: In einem intimen Ritual kleiden Gläubige die Statue in schweres, schwarzes Tuch samt Schleier.
  • Die Prozession: Begleitet von extrem langsamen Trauermärschen ziehen die Menschen durch die Altstadt-Gassen. Ein Spektakel, gegen das ein klassischer Ostergottesdienst daheim fast wie ein nüchternes Vereinstreffen wirkt.
 
 
In Apulien wird Glaube eben nicht im Stillen analysiert, sondern mit spürbarer Dramatik und südländischer Leidenschaft gelebt. Schmerz und Hoffnung liegen hier ganz nah beieinander – und schick gekleidet ist die Schmerzensmutter dabei obendrein! 

 

Abreisetag: Abschied von Matera, Regendrama vor Bari & das süßeste „Home Sweet Home“

Der letzte Morgen bricht an. Noch einmal frühstücken, zum allerletzten Mal Koffer packen und Abschied nehmen von der Felsenstadt.       Be...