Der Tag begann mit einem spontanen Abenteuer beim Friseur in
Lecce. Termin pünktlich um neun. Meine Stylistin sah allerdings aus, als wäre
sie sekundenstimmig direkt aus dem Bett zum Salon gelaufen – ein starker
Espresso und ein eigener Kamm hätten ihr sichtlich gutgetan! Aber wie heißt es
so schön: Beurteile niemanden nach der eigenen Frisur. Der Schnitt war am Ende
richtig gut, der Service auf zack. Da sieht man gern über den charmanten
Bettkanten-Look hinweg!
Danach wurden zum vorletzten Mal die Koffer gepackt und im
Auto verstaut. Die Fahrt nach Basilikata führte uns vorbei an knorrigen
Olivenbäumen, Weinreben und abgeernteten Feldern, auf denen im Sommer
Hartweizen und reife Industrieparadeiser standen.
In Matera angekommen, empfing uns unser Vermieter Andrea mit
offenen Armen. Er ist in Deutschland geboren und später in die Heimat seiner
Eltern zurückgekehrt. Zur Begrüßung überreichte ich ihm meine allerletzte
Packung Mannerschnitten.
Was dann passierte, war reines Film-Drama: Andrea war so
gerührt von der süßen Darbietung aus Österreich, dass er mich umarmte und
feuchte Augen bekam. Und aus dem Augenwinkel sah ich Robert leise mitweinen –
allerdings nicht aus Rührung, sondern weil die allerletzten Mannerschnitten nun
endgültig weg waren! Eine kurze Runde kollektives Kuscheln und Weinen später
waren wir aber alle wieder versöhnt.
Unsere Wohnung hat zwar wieder keine Aussicht, ist dafür
aber herrlich warm und gemütlich. Und die Stadt selbst? Matera ist schlichtweg
eine Wucht!
Lebendig, wunderschönes Pflaster (poliert ohne Unebenheiten),
tolle kleine Geschäfte und ein fantastisches Stadtbild. Weil es hier in den Hügeln
spürbar kühler ist als an der Küste, durfte meine treue norwegische, neongelbe Daunenjacke
wieder im Großeinsatz glänzen.
... auch Abends ein Besuch wert... die Kathedrale von Matera (Cattedrale della Madonna della Bruna e di Sant’Eustachio)
Zum krönenden Abschluss gab es nach dem Spaziergang und Besichtigung zur
Kathedrale eine dampfende, wunderbare Crapiata Materana. Das ist kein
gewöhnliches Süppchen, sondern ein traditioneller, bärenstarker Bauerneintopf
aus Matera, der früher immer zum Ende der Erntezeit in riesigen Töpfen für die
ganze Gemeinschaft gekocht wurde. Eine herrlich sämige Mischung aus Bohnen,
Kichererbsen, Linsen, Ackerbohnen, Rollgerstl und Hartweizen – verfeinert mit
köstlichem Olivenöl. Deftig, durchwärmend, voller Geschichte und einfach nur
phänomenal gut!


